Wulle

Wir wollen Wulle

1859 erwarb Wulle zusammen mit seinem Partner, dem Braumeister Maier, die Grundstücke Neckarstraße 60 und 62 bis zur Mitte des Kernerplatzes in Stuttgart.

Während der Bauzeit stellte sich heraus, dass die Anlagen zu klein waren und man vergrößern musste. Hierüber konnten sich die beiden Besitzer nicht einigen, weswegen Maier 1861 ausstieg.ernst_wulle

1896 wird aus dem Unternehmen eine Aktiengesellschaft (Aktienbrauerei Wulle).

Die Brauerei hatte schwer mit dem in Württemberg weitverbreiteten Wein- und Mostkonsum zu kämpfen, da Bier teurer war.

Die Anfangszeit des Unternehmens war durch zahlreiche Übernahmen von regionalen Brauereien gekennzeichnet. So wurden folgende Unternehmen übernommen:aktie um 1930

1897: Brauerei Kolb, Stuttgart.
1903: Brauerei Siegelberg, Zuffenhausen
1906: Brauerei Lechleitner, Esslingen am Neckar
1911: Brauereien Engel, Vaihingen/Enz, und C. Widmaier, Möhringen a.d.F.
1919: Brauerei Gebr. Leo, Dürrmenz, Mühlacker
1929: Gräfl. v. Rechberg’sche Brauerei, Weißenstein

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Wulle 0,8L um 1900

Zu Zeiten des Dritten Reiches konnte sich auch die Brauerei Wulle den Bedingungen nicht entziehen und beteiligte sich am Winterhilfswerk, der Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft und einer Reihe sonstiger sozialer Sammlungen. Immer wieder wurden Betriebsangehörige zu Wehrübungen eingezogen. Ihr Lohn wurde zur vollen Höhe weitergewährt. Später erhielten auch Angehörige von Soldaten monatliche Zuschüsse. Den ersten toten Betriebsangehörigen verzeichneten die Wirtschaftsberichte am 22. Mai 1940. Er starb in Frankreich.

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Ab dem 1. Juli 1942 wurde das von der Brauerei hergestellte Spezial-Bier nur noch an die Wehrmacht ausgeliefert. 1943 wurde die Mälzerei durch einen Luftangriff zerstört und das Brauereigebäude beschädigt. Insgesamt wurden bei dem Angriff 35 Wirtschaftsanwesen in Trümmer gelegt, darunter auch der Friedrichsbau. Dieser war 1900 in Stuttgart von der von Wulle gegründeten „Immobilienverein-Aktiengesellschaft“ erbaut worden.

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Nach dem Krieg erholte sich das Unternehmen von den Folgen und konnte den Bierausstoß kontinuierlich erhöhen. 1960 erfolgte die Wiederherstellung der Wulle-Festsäle in der Neckarstraße. Die Brauerei „Zum Hecht“ in Bopfingen wurde zugekauft.

Am 5. April 1971 wurde per Vertrag das Ende der Brauerei Wulle besiegelt. Ab diesem Tag firmierte sie unter dem Dach der Brauerei Dinkelacker. Nach und nach verschwand der Schriftzug Wulle aus den Geschäftsberichten. In den 1970er Jahren wurde der Brauereikomplex zwischen der Neckarstraße und dem Kernerplatz abgerissen. Heute stehen dort Landesministerien und ein Hotel.

„Wir wollen Wulle!“ war der bekannte Werbespruch der Brauerei seit 1861. Diese drei Worte prangen auf vielen Gläsern, Krügen, Aschenbechern usw., die man heute noch findet.

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Kurz tauchte der Name Wulle 1988 nochmals auf. In diesem Jahr fusionierte die Brauerei Wulle mit der ebenfalls bereits zu Dinkelacker gehörenden Brauerei Cluss aus Heilbronn zur Cluss-Wulle AG, deren Hauptgeschäftszweck die Verwaltung der früheren Brauerei-Liegenschaften zu sein scheint. So wurde Cluss-Wulle im Jahr 2000 zu einem Drittel Teilhaber der Cäcilienpark am Neckar GbR, die die gleichnamige, 320 Wohnungen umfassende Wohnanlage auf dem ehemaligen Cluss-Gelände in Heilbronn errichtete.

20 Jahre später und 37 Jahre nach dem vorläufigen Ende wurde im ersten Quartal 2008 durch die Brauerei Dinkelacker-Schwaben-Bräu die Marke Wulle wieder eingeführt.

2014 wurde der Werbespruch „Wir wollen Wulle!“ durch die Punk-Band Schmutzki vertont, die damit ihre Liebe zu dem Bier bekundeten. Seitdem sponserte die Brauerei das Freibier, welches vor jedem Konzert auf Touren verteilt wird.

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Wulle Krug aus den 1960 er Jahren

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