Eschenbacher Bier

Ein Georg, zwei Johann und fünf Karl Wagner – acht Generationen prägen die Geschichte der Eschenbacher Privatbrauerei. Fest in heimatlicher Erde verwurzelt, blieben sie neben ihrer Tätigkeit als Bierbrauer der Landwirtschart treu, rund zwei Jahrhunderte lang. Erst 1952 ließ die Konzentration auf die Bierherstellung mit der Ausweitung des Vertriebs für den damaligen Inhaber, den Senior-Chef Karl Georg Wagner (der sich in der Reihenfolge der Ahnen gleichen Vornamens scherzhaft „Karl IV.“ und seinen Sohn Karl Werner Wagner – den heutigen Brauereibesitzer -„Karl V.“ zu nennen pflegt) keinen Spielraum mehr, sich noch mit der 22 Hektar großen Landwirtschaft zu befassen.

Diese Trennung bedeutete zweifellos eine scharfe Zäsur in der Tradition bäuerlicher Herkunft. Die totale Umstellung auf eine vollautomatische Brauereianlage in modernsten Gebäuden mit den dazu gehörenden maschinellen Einrichtungen verlangte jedoch die den Erfordernissen des 20. und 21. Jahrhunderts angepassten Arbeitsmethoden.

In Frankfurt am Main war, wenn ein kurzer Gedankenflug erlaubt ist, ein Kind, das einmal der größte deutsche Dichter werden sollte, Johann Wolfgang Goethe, gerade ein Jahr alt, als 1750 in dem kleinen Dorf Eschenbach erstmals Bier gebraut wurde.

Georg Johann Wagner (1710 bis 1775) war es, der hier für sich und seine Mitbürger, den damaligen Verhältnissen entsprechend, Bier braute und – sicher ohne einen Blick in die Zukunft – die Voraussetzung für die heutige Eschenbacher Privatbrauerei schuf.

Sein Sohn, der Brauer und Dorfschultheiß, Johann Georg Wagner (1744 bis 1804) richtete an der von Schweinfurt nach Bamberg führenden Durchgangsstraße auch gleich eine Wirtschaft ein, in der sein zunächst nur für den Eigenbedarf und die Bürger des Dorfes gedachte Bier jedoch bald regen Zuspruch fand. Diese Wirtschaft bildet noch heute als „Eschenbacher Bräustübla“ ein in der ganzen Umgebung geschätztes Lokal.

Der Enkel des Gründers, wieder ein Johann Georg (13.12.1795 bis 09.05.1852), setzte den Auftrag seines Vaters, in erster Linie die Landwirtschaft zu betreiben und sich erst dann mit Bierbrauen zu beschäftigen, tatkräftig fort, ohne jedoch eine Ausweitung des Betriebes für notwendig zu halten.

Mit Karl Friedrich Wagner (12.2.1828 bis 12.10.1878) folgte der erste „Karl“, der unverändert die ererbte Landwirtschaft mit Brauerei betrieb.

Den ersten Anstoß zu einem Wandel gab der Ur-Großvater des Inhabers, Karl Kaspar Wagner (16.04.1870 bis 27.08.1918), verheiratet mit der aus Knetzgau stammenden Regina Schenk, 1898 begann er nur noch Rauchbier herzustellen, wofür er eine eigene Mälzerei erbaute. 1940 musste kriegsbedingt auf dieses Rauchbier verzichtet werden, aber 1964 nahm es Karl Georg Wagner wieder in seine Produktion auf.

Karl Andreas Wagner (01.06.1898 bis 07.01.1966), verheiratet mit der aus Gädheim stammenden Emma Endres (geb. 1900), leitete den Umschwung der Brauerei ein, die sich nach dem Ersten Weltkrieg mit ihren Bieren über die Grenzen von Eschenbach hinaus ausbreitete. In weiten Kreisen, bei Arbeitern wie Honoratioren, bei den aus nahen und fernen Städten zu der hier, 1924 errichteten, einzigen Bundeskegelbahn im Raum Bamberg – Schweinfurt kommenden Sportkeglern und unzähligen Durchreisenden auf der damaligen Reichsstraße 26, sprach sich schnell herum, dass die Hausmacherplatten, in der Küche der Brauwirtschaft von den Frauen Regina und Emma Wagner zubereitet, an Schmackhaftigkeit nicht zu übertreffen waren. Der weit und breit geschätzte Kochkäse oder ein Teller mit rohem Schinken bildeten die genussreiche Ergänzung zum Bier. Nach den dreißiger Jahren kaufte Karl Andreas Wagner mit der Gastwirtschaft „Zum Steigerwald“ in Eltmann das erste auswärtige Lokal, Auch vor den Toren Schweinfurts, in Gädheim, und in den sogenannten „Heiligen Ländern“ der südlichen Hassberge, in Kirchlauter und Hermannsberg, erfreute man sich bald an Eschenbacher Bier. Die begonnene Expansion wurde durch den Zweiten Weltkrieg kurz unterbrochen, konnte aber auf Dauer nicht mehr aufgehalten werden.

Als 1948 Karl Georg Wagner (07.01.1929), verheiratet mit der aus Eltmann stammenden Gerda Nusser, als Neunzehnjähriger aktiv in die Brauerei-Arbeit eingriff und 1950 von seinem Vater zum Mitinhaber bestellt wurde, gestaltete sich recht bald, nämlich ab 1957, die Aufwärtsentwicklung geradezu explosiv. Mit dem Eintritt in das dritte Jahrhundert, wozu die damalige Zeit um 1959, als man überall noch unter dem Schock des Krieges und der ersten Nachkriegsjahre litt, noch keinen echten Anlass zum Feiern bot, begannen arbeitsreiche Jahre. Am 01. Januar 1961 übernahm Karl Georg Wagner als Alleininhaber die Brauerei. Ebenso gut mundete wie nach zehn Schub in die Vollen.

Bis zu seinem Tod, am 07, Januar 1966, stand Karl Andreas Wagner Tag für Tag in der Brauerei; denn auch als damaliger Seniorchef kannte er kein Ausruhen, Die Tatkraft des Sohnes und der Mitarbeiter brauchten die Erfahrung, das Wissen und das Beispiel des Alters, Als Karl Andreas Wagner die Augen für immer schloss, wusste er sein Werk in besten Händen.

Die große Zeit des wirtschaftlichen Aufschwung in der Bundesrepublik Deutschland bot nicht nur eine Chance, sondern forderte geradezu den unabdingbaren unternehmerischen Einsatz, Nahezu ununterbrochen verlangten die Ausweitung der geschäftlichen Beziehungen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und in der Pfalz und der damit verbundene Bierausstoß permanente Baumaßnahmen und Investitionen zur Vergrößerung und Modernisierung des Betriebes, Nachbargrundstücke mussten erworben werden, um die Kapazität des Unternehmens der steigenden Nachfrage nach Eschenbacher Bier anzupassen.

1961 und 1967 wurden für die Arbeiter der Eschenbacher Privatbrauerei fürsorglich zwei Mietshäuser mit insgesamt 13 Wohnungen errichtet, um das schon immer starke Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter an die Brauerei zu bestätigen.

Um im Wettbewerb bestehen zu können, waren umfassende Rationalisierungsmaßnahmen und Automatisierungsprozesse erforderlich, die nur durch den Einbau neuester Maschinen gelöst werden konnten. Große Auslieferungen über weite Entfernungen erforderten die dauernde Ergänzung des Fuhrparks. Mit der damals neuen Flaschenabfüllanlage, die Mitte August 1974 ihre Arbeit aufnahm und einer der ersten vollautomatischen Sudhäuser, das 1976 in Betrieb genommen wurde, schien der fast zwanzigjährige Modernisierungsprozess einen gewissen Abschluss gefunden zu haben. Schien …

Denn die Erfahrung hat gelehrt, dass die Entwicklung der Eschenbacher Privatbrauerei keinen Stillstand kennt.

Der Inhaber der Eschenbacher Privatbrauerei, Karl Werner Wagner (18.09.1961), griff 1978 in den Fortgang des Unternehmens ein. Nach traditionellem Werdegang über die Brauerlehre zum Braumeister stand bald fest, dass ein Team wie das der Eschenbacher Privatbrauerei unschlagbar ist. So wuchsen stetig die Ausstoßzahlen und das Absatzgebiet erweiterte sich mittlerweile auf zehn deutsche Bundesländer.

Immer wieder wurde die Brauerei auf den neusten Stand der Technik gebracht. Hierzu gehören ebenso der Neubau des 1982 in Betrieb genommenen revolutionären Sudhauses sowie die weit über die Brauereibauten ragenden Gär- und Lagertanks.

Kontinuierliche Innovationen, bei denen immer Mitarbeiter und Umwelt im Vordergrund standen, wurden auch in der Flaschen- und Fassabfüllung vorgenommen. So steht heute eine der am wirtschaftlichsten und umweltfreundlichsten arbeitende Flaschenabfüllanlage für Mehrweg in Eschenbach. Eine der modernsten Fassfüllanlagen mit einer Roboter-Palettierung, die den zuständigen Mitarbeiter bei der schweren Arbeit des Fassstapeins völlig entlastet, hat ebenfalls in der Eschenbacher Privatbrauerei ihren Platz eingenommen. All dies wurde nur dadurch möglich, dass südlich des Brauereigeländes erhebliche Erdbewegungen stattgefunden haben. So wurde seit 1960 circa eine Million m3 Boden abgetragen, damit sich das Unternehmen in seinem aktuellen Umfang entfalten konnte.

Karl Werner Wagner, Karl V, ist seit 1992 Geschäftsführer der Eschenbacher Privatbrauerei, Seit dem 01.01.95 zeichnet er als Alleininhaber des Unternehmens und führt dieses genauso verantwortungsbewusst weiter, wie dies seine Vorfahren begonnen haben.

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Feinglasierter Steinkrug „Humpen“ 1l klein geeicht, 2cm unterhalb des Krugrandes. Keine Beschädigungen, keine Brandfehler. Aus der Zeit um 1960 .Erhaltung ist neuwertig, Note: 1,1

                                                                             

                                                   

 

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